| „Keiner mag Auktionen“ - Interview mit Horst Bennin, Auda, und Marco Yanar, CAM Private Equity (Ausgabe 3/2007)
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Private Equity-Dachfonds gehören heute zu den wichtigsten Kapitalgebern der Beteiligungsbranche. Sie speisen sich sowohl durch vermögende Privatanleger als auch durch institutionelle Investoren, die sich mit Hilfe der spezialisierten Anbieter häufig erstmals der Anlageklasse Private Equity nähern. Eine direkte Beteiligung ist ab einer Größenordnung von 5 Mio. Euro möglich, ab 50 Mio. Euro strukturieren Gesellschaften wie Auda Advisor Associates und CAM Private Equity individuelle Portfolios. Horst Bennin, Geschäftsführer der Auda (Deutschland) GmbH, und Marco Yanar, Partner bei CAM Private Equity, verrieten Andreas Uhde in Frankfurt, warum sie die Vergütungsstrukturen mancher Zielfonds kritisch sehen, wie sie mit der Nachfolgeproblematik bei einzelnen Managementteams umgehen und was sie von Auktionen halten.
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VC Magazin: Im internationalen Vergleich ist die Private
Equity-Allokation der meisten institutionellen Anleger noch immer relativ
klein. Woran liegt das?
Yanar: Viele deutsche Institutionen haben erst Ende der 90er Jahre
angefangen, in diese Assetklasse zu investieren. Eine von der CAM im
vergangenen Jahr durchgeführte Investorenbefragung hat u. a. ergeben, dass der
Aufwand, um eine Investition durchzuführen, als zu hoch eingeschätzt wird.
Daneben haben viele Investoren in der Internetblase hohe Verluste erlitten und
sind noch immer sehr zurückhaltend, was einen Wiedereinstieg betrifft. Es
handelt sich also um eine Mischung aus Timing und Unerfahrenheit, die für das
niedrige Exposure hierzulande verantwortlich ist.
Bennin: Auch das liquiditätsgetriebene Handeln vieler Institutionen
begünstigt nicht gerade die Entscheidung für Private Equity. Schließlich
handelt es sich um eine langfristige Assetklasse, die noch dazu kontinuierlich
aufgebaut werden sollte. Der J-Curve-Effekt, also die Nettoverluste in den ersten
Jahren, sind ein weiterer Punkt, mit dem sich deutsche institutionelle Anleger
nur schwer anfreunden.
VC Magazin: Fast alle wirklich großen Private Equity-Zielfonds stammen
aus dem angelsächsischen Raum. Können die Managementteams nicht mithalten, oder
liegt es eher an dem rechtlichen oder regulatorischen Umfeld?
Bennin: In den USA gab es schon immer vielfältigere Exitkanäle als in
Europa, was für die Branche wichtig ist. Darüber hinaus sprechen die
steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen hierzulande nicht gerade dafür,
den Hauptsitz in Deutschland zu unterhalten. Gute Managementteams gibt es
hierzulande jedoch ebenso wie im angelsächsischen Raum.
Yanar: An den Managementteams liegt der Rückstand sicher nicht. In den
angelsächsischen Ländern ist die Anlagestrategie institutioneller Investoren
einfach grundlegend anders als in Deutschland, wo die Portfolios noch immer
sehr rentenlastig sind. Dennoch bin ich überzeugt, dass die gegenwärtigen
Entwicklungen zu einer Stärkung des Private Equity-Marktes in Deutschland
führen werden.
Bennin: Diese ist auch dringend notwenig: Wenn wir davon lernen, wie
Corporate Amerika restrukturiert wurde, kann man nur zu dem Ergebnis kommen,
dass wir für den Restrukturierungsprozess in Deutschland mehr Private Equity brauchen
werden als jemals zuvor.
VC Magazin: Welche Kriterien sind für Sie die wichtigsten bei der
Auswahl eines Zielfonds?
Bennin: Wir investieren nur in etablierte Manager und in erfahrene
Teams, die schon lange zusammenarbeiten und bereits zwei oder drei Fonds
gemanagt und dadurch bewiesen haben,
dass sie das Geschäftsmodell Private Equity beherrschen.
Yanar: Neben dem Team muss die Strategie in die Anlagephilosophie des
jeweiligen Dachfonds und zu deren Investoren passen. Daneben schauen wir uns
natürlich Standardthemen wie Track Record und Kostenstruktur der jeweiligen
Fonds an, wo es deutliche Unterschiede gibt.
VC Magazin: Hat sich an der marktüblichen Kostenstruktur in den letzten
Jahren etwas geändert?
Bennin: Einige Private Equity-Fonds versuchen sicherlich, die
Konditionen zu ihren Gunsten zu verbessern. Gerade beim Carry-Modell glaube ich
jedoch nicht, dass sich Ausgestaltungen wie ein individuell pro Deal
berechneter Gewinnanteil durchsetzen werden. Hier passen die Investoren schon
genau auf, und auch wir würden das nur bedingt akzeptieren.
Yanar: Insgesamt ist die Gebührenstruktur einiger Fonds jedoch schon
kritisch zu sehen, auch wenn sie gegenüber den Vorgängerfonds unverändert
bleibt. Einige Gesellschaften können heute beachtliche Summen anziehen, ohne an
ihrer prozentualen Vergütung etwas zu ändern. Eine gewisse Marktmacht der
erfolgreichen Fonds ist also durchaus zu beobachten, was aus Investorensicht
negativ zu beurteilen ist. Hierzu ein Gegengewicht zu bilden, ist in der Praxis
aber sehr schwierig.
VC Magazin: Wie wichtig ist für Sie, dass sich das Fondsmanagement
selbst substanziell an einem Fonds beteiligt?
Bennin: Einen Fonds, wo das nicht gegeben ist, würden wir uns gar nicht
anschauen.
VC Magazin: Welche Größenordnung setzen Sie voraus?
Bennin: Im für uns relevanten Mid Market-Segment sollten mindestens 10%
des Fondsvolumens vom Management kommen. Und es geht hierbei nicht nur um den
Leitwolf, sondern um das ganze Team.
Yanar: Zwischen 5 und 10% sollten es sein, wobei in der Praxis ein neues
Team in absoluten Zahlen weniger Geld einbringen dürfte als ein etablierter
Fonds.
Bennin: Ein neues Team ohne Track Record verfügt zwar möglicherweise
über weniger eigenes Kapital, müsste aber eigentlich sogar mehr einlegen, um
den Markt zu überzeugen.
VC Magazin: In welchen Ländern und Anlagestilen halten Sie
Überraschungen für möglich?
Bennin: Osteuropa ist aus unserer Sicht eine sehr interessante Region,
weil dort sehr hohe Ineffizienzen zu finden sind. Allerdings sollte es dann
ganz Osteuropa sein; sich lediglich in einem Land wie Polen zu engagieren,
halte ich nicht für sinnvoll.
VC Magazin: Schrecken Sie feindliche Übernahmen ab?
Yanar: Feindliche Übernahmen haben positive und negative Effekte, wobei
ich persönlich Zweifel habe, ob sich die gewünschten Ziele auf diesem Wege in
der Mehrzahl der Transaktionen erreichen lassen.
VC Magazin: Gerade im angelsächsischen Raum sind einige Gesellschaften
stark von einzelnen, schillernden Persönlichkeiten geprägt. Wie sehen Sie die
Nachfolgeproblematik?
Yanar: Private Equity ist ein „People’s Business“. Insofern beobachten wir sehr genau, wie einzelne Manager mit
ihrer Nachfolge umgehen. In einzelnen Fällen wird es sicherlich dazu kommen,
dass sich Teams langfristig auflösen, weil diese Probleme nicht gelöst werden
können.
Bennin: Aus diesem Grund analysieren wir jeden einzelnen Deal genau, um
herauszufinden, welche Manager jeweils an der Einzeltransaktion beteiligt sind.
Besonderen Einfluss haben einzelne Manager aus unserer Sicht insbesondere bei
der Umsetzung von Buy and Build-Strategien.
VC Magazin: Welche Bedeutung haben Referenzinvestoren für Sie?
Bennin: Bei einem jüngeren Fonds sehen wir uns an, wer die weiteren Limited
Partners sind. Wir werden uns aber niemals nur deshalb an einem Fonds
beteiligen, weil ein bestimmter anderer Anleger ebenfalls gezeichnet hat. Wir
können uns nicht darauf beschränken, ausschließlich deshalb irgendwo zu
investieren, weil dort schillernde Namen wie Yale oder CalPERS unter den
Investoren sind.
Yanar: Auch für uns sind Referenzinvestoren nicht das ausschlaggebende
Kriterium für die Investitionsentscheidung, aber doch ein untergeordneter Punkt
in der Fondsbewertung.
VC Magazin: Eine aktuelle Befragung deutscher Beteiligungsgesellschaften
durch den BVK kam zu dem Ergebnis, dass inländische Family
Offices/Privatanleger aus Sicht der Befragten die wichtigste Investorengruppe
seien. Auf den Rängen folgten ausländische Pensionsfonds/-kassen und
ausländische Dachfonds. Ist der Mehrwert, den im Inland ansässige Dachfonds
gegenüber anderen Limited Partners bieten, zu gering?
Yanar: Das würde ich differenziert sehen, weil die Mehrheit der
befragten Fonds im Frühphasenbereich tätig ist. Also einem Segment, das die
meisten Dachfonds aufgrund der Präferenzen ihrer eigenen Investoren derzeit
weniger abdecken.
VC Magazin: Also spiegelt das Ergebnis der Umfrage auch eine gewisse
Enttäuschung darüber wider, dass deutsche Dachfonds viele der inländischen
Beteiligungsgesellschaften nicht auf ihrem Radar haben.
Yanar: Das könnte in gewisser Weise schon sein…
VC Magazin: Wie reagieren Sie als Dachfonds auf gestiegene
Unternehmensbewertungen und relativ hohe Fremdkapitalanteile im Buyout-Segment?
Yanar: Wir beziehen solche Entwicklungen in unsere
Investitionsüberlegungen ein und sprechen mit den einzelnen Managern, um
herauszufinden, wie diszipliniert sie in dieser Marktphase agieren.
VC Magazin: Wie diszipliniert kann ich mich denn als Fondsmanager verhalten,
wenn die meisten Deals über Auktionen geschlossen werden?
Bennin: Keiner mag Auktionen, aber sie lassen sich leider nur selten
vermeiden. Grundsätzlich gibt es eine relativ hohe Korrelation zwischen den
Fundraisingaktivitäten, dem verfügbaren Kapital am Markt und den Preisen. Zudem
würden die wenigsten Fondsmanager das gezeichnete Kapital ihrer Investoren
reduzieren, wenn sie keine geeigneten Beteiligungen finden. Daher werden sie
sich in der Regel dem Anlagedruck beugen und im Zweifel höhere Preise in Kauf
nehmen.
VC Magazin: Deutsche Privatanleger haben im vergangenen Jahr rund 2 Mrd.
Euro in Private Equity investiert und sich damit zu einer bedeutenden
Geldquelle für die Beteiligungsbranche entwickelt. Über Partner können sich
Privatanleger indirekt auch an bestimmten Dachfonds aus Ihrem Haus beteiligen.
Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Bennin: Private Equity ist eine Assetklasse für erfahrene Investoren.
Diesen müssen ordentlich strukturierte Produkte zur Verfügung gestellt werden, die
nicht mit Kosten überladen sind. Das muss auch für Privatanleger gelingen,
ansonsten wird man verbrannte Erde hinterlassen und die erwartete IRR von 13
bis 16% nicht erreichen können. Wir verstehen uns als rein institutioneller
Manager und bieten neben unseren eigenen Produkten natürlich auch
maßgeschneiderte Private Equity-Portfolios für unterschiedliche Kundengruppen
an. Darüber hinaus arbeiten wir auch mit Partnern zusammen, die die Auda
aufgrund ihrer Erfahrungen für ihre eigenen Produkte als Private Equity-Manager
oder Berater mandatieren. Die Vertriebskoordination obliegt dabei jedoch stets
den Geschäftspartnern.
Yanar: Den Retailmarkt bedienen wir über verschiedene Partner. Uns ist
dabei wichtig, dass die Kundenzufriedenheit nachhaltig ist und der Endkunde ein
vernünftiges Ergebnis realisieren kann.
VC Magazin: Zum Abschluss noch ein Blick in die Glaskugel: Bain Capital
hat bei Continental angeklopft, Infineon steht Medienberichten zufolge im Fokus
einiger Private Equity-Häuser, weitere werden immer wieder genannt. Ihr Tipp:
Wird ein Dax-Unternehmen von Private Equity-Gesellschaften übernommen, und wenn
ja, wann?
Yanar: Von der Größenordnung wäre das durchaus möglich.
VC Magazin: Wer wäre Ihr Favorit?
Bennin: Da wir selbst nicht Fondsmanager sind, entzieht sich das unserer
Kenntnis.
VC Magazin: …Sie wollen wirklich keinen Tipp abgeben?
Bennin: Nein. Denn ein Geheimnis unseres Erfolges liegt in der
Diskretion.
VC Magazin: Herr Bennin, Herr Yanar, vielen Dank für das Gespräch!
andreas.uhde(at)vc-magazin.de
Zu den Gesprächspartnern:
Horst Bennin ist Geschäftsführer der Auda (Deutschland) GmbH mit Sitz in
Bad Homburg. Auda (Deutschland) ist Teil der 1989 von der Harald Quandt Holding
gegründeten Auda Advisor Associates LLC, die mehr als 4,4 Mrd. USD in
Hedgefonds und Private Equity verwaltet. Marco Yanar ist seit 1. Januar 2007
Partner der CAM Private Equity Consulting & Verwaltungs GmbH. Die in Köln
ansässige Gesellschaft hat sich ausschließlich auf Private Equity spezialisiert
und betreut ein Fondsvermögen von mehr als 2,3 Mrd. Euro. Vor seinem Wechsel zu
CAM verantwortete Yanar den Bereich Alternative Investments bei Ampega Asset
Management.
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